Navruz - Neujahr nach dem Naturkalender

 

Wer kam auf die Idee das neue Jahr in der Mitte der kalten und dunklen Zeit zu feiern, wenn die Natur und alles rundherum in einer ruhigen Winterdämmerung eingeschlafen sind? Wie unterscheidet sich der 1. Januar von dem gestrigen 31. Dezember? Der Mensch hat es selber erfunden Silvester in der Mitte des Winters zu feiern, wahrscheinlich um sich einen kleinen Ruck zu geben und nicht in den Winterschlaf zu fallen. Scheinbar deshalb hat Julius Caesar im Jahre 46 v. Chr. ein akzeptables Argument gefunden und erklärte den 1. Januar als Beginn des neuen Jahres zu Ehren des Gottes der Wahl, der Türen und der Anfänge - Janus (daher der Name des Monats „Januar“). Janus wurde mit zwei Gesichtern dargestellt: das eine sah nach vorne - das andere rückwärts.

Und was ist mit der Natur? Natur braucht nicht etwas Besonderes zu erfinden, sie hat alle "Feiertage" an besonderen Stellen des jährlichen Kreises angeordnet, an den Power-Punkten, wenn die Sonne, Mond und die ganze Natur besondere Eigenschaften haben. Die Natur „wacht auf" ganz natürlich im Frühlingspunkt (Tagundnachtgleiche). Der Frühlingspunkt ist der Tag, wenn der Winter endet, die neue Sonne geboren wird und die Erde erwacht (nicht umsonst feiert man den „Tag der Erde“ am 21. März). Das ist der Tag der neuen Wärme und Licht, des Triumphs des Lebens über der Dämmerung, wenn der biologische Rhythmus des Planeten sich ändert und die Erneuerung der Natur beginnt.

Es ist logisch, dass in vielen Kulturen der Welt das Fest der Sonne, der Wärme, des Lichts und der Erneuerung am Tag der Frühlings-Tagundnachtgleiche nach dem astronomischen Sonnenkalender gefeiert wird. Zum Beispiel war es am 21. März im alten heidnischen Russland üblich die neue Sonne (das Neue Leben, das Neujahr) mit einem gelben, runden und heißen Pfannkuchen (wie Sonne) zu begrüßen! Heutzutage feiert man auch die Fastnachtswoche, aber unter den Einfluss des Christentums wurde das Fest verschoben und verwandelte sich in "Verabschiedung vom Winter".

Aber iranische und türkische Völker haben das trotz der Dominanz des Islams jedoch geschafft, ihr vor-islamischen Feiertag des Frühlings und Neujahrs - den Navruz (aus dem Persischen "Neuer Tag") zu halten. Ursprünglich geht der Navruz auf die derpreliterate Epoche der menschlichen Geschichten zurück, als bei den Ackerbauern der Kult der Sonne entstand. Den offiziellen Status erwarb Navruz im Achämenidenreich, in den Jahren 648-330 v. u. Z., als religiöser Feiertag des Zoroastrismus.

Derzeit wird Navruz als Neujahrsbeginn in Iran und Afghanistan gefeiert, als staatlicher Feiertag - in Tadschikistan, Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Albanien, Irakisch-Kurdistan, Indien, Mazedonien, Türkei, sowie im Süden von Russland: Tatarstan und Baschkortostan.

Die Traditionen der Navruz-Begehung sind praktisch unverändert während seiner jahrhundertlangen Geschichte geblieben. Zum Fest bereitet man sich sorgfältig im Voraus: man beginnt großes Reinemachen in den Häusern, Höfen und auf den Straßen, wäscht unbedingt die ganze Kleidung, und gibt alle Schulden zurück. Am Vorabend vor dem Sonnenaufgang müssen alle Aufgaben erledigt werden: die Zubereitung der festlichen Mahlzeiten, die Reinigung und Ausschmückung der Räume mit blühenden Zweigen.

Der wichtigste Tag des Festes ist der 21. März. An diesem Tag ist es üblich den Tisch festlich zu bedecken und den Freunde, Nachbarn und jedem Vorbeikommenden "Neujahrs"-Gerichten anzubieten. Die wichtigsten von diesen Gerichten sind Khalis und Sumalak (die werden nur einmal im Jahr zubereitet- am Navruz). Khalis wird von sieben Arten von Körnern mit dem Fleischzusatz zubereitet, wobei es zu einer homogenen Masse verkocht wird. Und Sumalak wird aus gekeimten Weizenkörnern unter Zugabe von Mehl und Zucker gekocht. Man bereitet diese komplexen Gerichte am Vorabend des Feiertags zu.

Alle Frauen einer großen Familie, einer Gemeinschaft (Nachbarinnen) sammeln sich vor großen Kesseln und rühren die ganze Nacht nacheinander das Gericht, damit es nicht in dem Holz-Feuer anbrennt. Oft wird auf den Boden des Kessels eine Handvoll Steinchen gelegt, nicht als Gewürz natürlich, sondern damit unter dem Rühren das sättige rituelle Gericht besser zermahlen wird und nicht anbrennt. Wenn jemand ein "Glücksstein" im Gericht findet, dann erwartet ihn Erfolg im neuen Jahr. Damit der lange und mühsame Prozess beim Feuer nicht langweilig wird, wird er von Musik, Gesang und Tanz begleitet. So beginnt man den fröhlichen neuen Tag. Am Morgen trägt jede Frau ihren Anteil von Sumalak aus dem gemeinsamen Kessel nach Hause.

Das traditionelle Ritual zum Navruzfest ist die Zusammenstellung des Haft Sin. Auf dem Tisch sollten sieben (Haft) Produkte sein, deren Namen mit den Buchstaben "Sin" des persischen Alphabets anfangen: Gekeimte Weizenkörner - sipand, Apfel - sib, schwarze Kerne - siahdane, Ölweidenfrucht - sandzhid, Essig - Serkeh, Knoblauch - sir und gekeimtes Korn - sabzeh.

Am Navruz muss der Tisch unbedingt mit festlichen Gerichten bedeckt werden, die die Wiedergeburt und das neue Leben symbolisieren: gekeimte Weizenkörnen, gekochte Eier und ein Glas Wasser mit lebendigem Fisch. Dazu wird der Tisch sicherlich mit Plov, Schurpa, gekochtem Hammelfleisch und Kok-Samsa (Blätterteig gefüllt mit Kräutern) serviert. Je größer die Auswahl an Speisen und Süßigkeiten auf dem festlichen Tisch ist, desto wohlhabender und produktiver wird das kommende Jahr sein.

In den nächsten dreizehn Urlaubstagen ist es üblich seine Freunde, ältere Nachbarn und Verwandten zu besuchen, fröhliche Volksbelustigungen, festliche Basare und Sportveranstaltungen zu arrangieren, sowie Bäume pflanzen und die Feldarbeiten beginnen. Die erste Furche im neuen Jahr zieht nach einem alten Ritual das älteste und verehrteste Mitglied der Gemeinde. In diesen Tagen muss man unbedingt den Segen von den Ältesten, Eltern und Lehrern bekommen. Wie Navruz gefeiert wird, so wird auch das nächste Jahr verbracht. Außerdem erinnern sich das Volk an eine alte Legende: an den Navruz-Tagen steigen die Engel auf die Erde herab und bringen den Menschen Wohltat und Wohlstand. Aber sie kommen nur in die Häuser, wo Frieden und Harmonie herrscht. Darum bemühen sich die Menschen alle Schulden einander zu verzeihen und die Feindschaften und Beleidigungen zu vergessen. Wie die Volkslegende lautet, es ist sehr wichtig, wer der erste Gast im Hause sein wird: am Neujahrstag warten alle unbedingt auf einen guten und ehrlichen Menschen, der eine gute Nachricht und Glück bringt.

Und es ist nicht vollständig klar: Ob Navruz so handelt, oder die Sonne endlich eintritt, aber die Menschen werden an diesen Tagen wirklich gutherziger und heiterer, jede Seele strebt zu seinen wahren Ursprüngen, zur Natur, man freut sich über jeden grünen Grashalm und hinauskriechenden Käfer, also - man liebt das Leben mit der ganzen Seele.
Ist denn das nicht Magie?..

Ekaterina Gus

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